Ed Moses Press Review NZZ 10. Juli 2008
10. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung
Farberuptionen
Neue Malerei des amerikanischen Künstlers Ed Moses
Suzanne Kappeler
«No Works» heisst die Schau des in Venice Beach lebenden kalifornischen Künstlers Ed Moses. Und tatsächlich hätte die Vernissage in den hellen, grosszügigen Räumen der im März neu eröffneten Galerie Seiler + Mosseri-Marlio beinahe ohne Arbeiten des Künstlers stattfinden müssen, da diese unterwegs steckengeblieben waren. Spontan malte Ed Moses darauf am Boden der Galerie zwei grosse, schwarzweisse Leinwände mit roten Farbspuren, die jetzt in den Schaufenstern zu bewundern sind.
Mit «No Works» meint der Künstler indes, dass die Arbeiten gleichsam zu ihm kommen, aus spontaner Inspiration entstehen. Ed Moses, geboren 1926, gehörte in den fünfziger und sechziger Jahren zum Kreis der amerikanischen Westküsten-Künstler um die legendäre Ferus Gallery in Los Angeles, einen Treffpunkt der damaligen Subkultur. Bei Seiler + Mosseri-Marlio ist er nach Larry Bell und der Gruppenausstellung «Six from LA» der dritte amerikanische Künstler im Galerieprogramm, das auch im kommenden Jahr in diesem Sinn weitergeführt werden soll.
Die meisten der 2008 gemalten Werke werden als Diptychen präsentiert, zwei durch ein L-förmiges Element zusammengehaltene Bilder. Diese ungewöhnliche Form durchbricht den traditionellen Rahmen, ist gleichsam eine Erweiterung des Bildes und gibt im nicht zuletzt eine gewisse Leichtigkeit. Die beiden Bildteile entstehen jeweils unabhängig voneinander und werden in einem späteren Prozess spontan zusammengefügt. Moses malt seine Leinwände stets am Boden in einem physischen Kraftakt, indem er die blossen Hände, einen Schwamm, den Spachtel oder auch den Pinsel benutzt, manchmal die Farbe sogar direkt auf die Leinwand auslaufen lässt. Ein ungewöhnliches Vorgehen ist auch das Einbeziehen der Rückseite eines Bildes, etwa im Werk «Hamilton», in dem der rechte Bildteil die Rückseite des linken aufnimmt.
In «Ant», einer Arbeit von gut eineinhalb Metern Länge, blicken wir auf eine Art überdimensioniertes Monster in heftigen Pink-, Rot- und Gelbtönen, verbunden mit einem Gegenpart aus spinnenartigen, feinen schwarzgrauen Strukturen. Das Wilde, Eruptive und das nachdenklich Meditative gehen hier eine für Ed Moses typische, spannungsvolle Verbindung ein. Auch in «Kobi» sprudelt das Kreatürliche als Teil der künstlerischen Imagination aus der linken Leinwand heraus, während die rechte ein netzartiges Geflecht aus fluoreszierenden Blautönen mit Glitzerspuren zeigt. Der Farbauftrag variiert dabei von wässrig fliessend bis zu stark pastoser Verdichtung und ist ein weiteres Element zur Steigerung der Spannung im Bild. In «Po-Pa» überträgt der Künstler die Maserierung des hölzernen Rahmens auf die Leinwand und malt feine Streifenstrukturen in Pink und Braun, die von einem an edle Stoffe erinnernden, transparent erscheinenden Schwarz umgeben sind.
Zürich, Galerie Seiler + Mosseri-Marlio (Bleicherweg 33), bis 26. Juli. Katalog Fr. 10.–.
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